Korallenbleiche im Indischen Ozean

Korallenbleiche im Indischen Ozean

Die Korallenbleiche am Großen Barriereriff vor Australien ist nun endlich auch in der deutschen Presse angekommen. Am vergangenen Wochenende widmete die Süddeutsche der Katastrophe vor Australien immerhin eine ganze Seite.

Korallenbleiche im Indischen Ozean, NOAA

Korallenbleiche im Indischen Ozean, Quelle: NOAA

Über die Auswirkungen von El Niño im Indischen Ozean und im Korallendreieck gibt es aber bisher nur wenige Informationen. Die riesige Warmwasserblase, die sich Anfang April vor der Südküste Indonesiens gebildet hatte, ist mittlerweile nach Nordwesten weiter gewandert und hat im Bereich des östlichen Indischen Ozeans zu hohen Wassertemperaturen geführt.

Ich habe einige Informationen über die Korallenbleiche im Indischen Ozean zusammengestellt. Bei der Interpretation der Bilder ist zu beachten, dass nicht jede gebleichte Koralle schon abgestorben ist. Sinkt die Wassertemperatur nach kurzer Zeit wieder ab, regenerieren sich die eingelagerten Algen in den Korallen relativ schnell – die Korallen überleben dann.
Sind die Korallen allerdings einer längeren Phase von mehreren Wochen Wassertemperaturen von über 31°C ausgesetzt, sterben sie unweigerlich ab.
Der Überblick erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Eine Bestandsaufnahme der Lage im Korallendreieck (Indonesien, Philippinen, Neuguinea) folgt in den nächsten Tagen.

Thailand

Die thailändischen Behörden haben nach ersten Berichten über gebleichte Korallen vor der Westküste und im Golf von Thailand 17 Meeresnationalparks für Besucher bis zum 15.Oktober 2016 gesperrt. Koh Tachai, eine Insel im Norden der Similan Inseln, wurde sogar auf unbestimmte Dauer für Off-Limits erklärt.
Das thailändische Umweltministerium erklärte dazu, man wolle mit dieser Maßnahme erreichen, dass sich die Korallen während der Regenzeit ungestört regenerieren können. Gleichzeitig hält diese drastische Maßnahme auch Taucher und Besucher fern, die mit ihren Fotos die Korallenbleiche vor Thailand in den Sozialen Netzwerken verbreiten könnten. Das möchte man auf jeden Fall vermeiden. Die Australier machen das übrigens ähnlich. Es ist für Presseleute an der australischen Ostküste unwahrscheinlich schwierig geworden Schiffe zu chartern, um die Schäden am Großen Barriereriff zu dokumentieren.

Indien

Lakadiven: Ausgebleichte Korallen

Lakadiven: Ausgebleichte Korallen, NCF/Sanctuary PhotoLibrary

Auch von den Lakadiven, einer Inselgruppe im Südwesten von Indien hört man Beunruhigendes. Hier kam es sogar schon Anfang April bei Wassertemperaturen bis zu 35°C zu einem Fischsterben. Ein Team von The Nature Conservation fand in den flacheren Bereichen bereits zu diesem Zeitpunkt große, völlig ausgebleichte Flächen vor. Viele Korallen waren schon abgestorben.

Gebleichte Tischkoralle im Golf von Mannar, Sri Lanka

Gebleichte Tischkoralle im Golf von Mannar, Sri Lanka

Sri Lanka

Auch weiter südlich vor Sri Lanka hat El Niño bereits Spuren hinterlassen. Im Golf von Mannar zwischen Indien und Sri Lanka waren bereits Anfang Mai ein Drittel der Korallen gebleicht. Auch von der Ostküste Sri Lankas liegen Berichte über gebleichte Korallen vor. Mittlerweile gibt es aber die Hoffnung, dass ein unerwartet früher und heftiger Zyklon für kühlere Wassertemperaturen sorgen könnte.

Malediven

Zyniker könnten einwenden, dass auf den Malediven ohnehin kaum noch Korallen geschädigt werden könnten. Bereits während der beiden großen El Niños von 1998 und 2010 wurden die Korallen der Malediven so schwer geschädigt, dass sie sich bis heute nicht davon erholt haben.

Es könnte aber noch schlimmer kommen. Richard Vevers, Gründer von The Ocean Agency, hat gerade Fotos von den Malediven veröffentlicht, die das Schlimmste befürchten lassen. Im Rahmen des von Google gesponserten XL Catlin Projekts wurden Vevers und seine Mannschaft Zeugen einer – wie er selbst sagt – “erschreckend schönen, jedoch zutiefst beängstigenden” Naturkatastrophe. Nach Vevers Einschätzung sind die Schäden auf den Malediven noch größer als im Großen Barriereriff!

Vevers:“We’ve been following this 3rd Global Bleaching Event since the start nearly two years ago and just when you think you’ve seen the saddest sight you’ll ever see, you see something even worse.“

Seine Unterwasseraufnahmen zeigen weiße, gebleichte Korallen in kristallklarem Wasser. Im Flachwasser scheinen große Flächen bereits völlig ausgebleicht zu sein.

Chagos

Noch weiter südlich von den Malediven liegt das größte Korallenriff Großbritanniens – das Chagos Archipel. Schon im vergangenen Jahr, war das Riff über mehrere Monate Temperaturen von knapp 30°C bis in 25m Tiefe ausgesetzt. In diesem Jahr wiederholte sich das Phänomen wieder.  Bis in 20m Tiefe lag die Wassertemperatur mehrere Wochen lang bei 31°C.
Die Folge: Nach Aussagen britischer Wissenschaftler sind mittlerweile 85% der Korallen bis in eine Tiefe von 25m in der Chagos Marine Reserve gebleicht oder bereits abgestorben.

Chagos: 85% gebleichte Korallen, (c) Dan Bayley, ZSL

Chagos: 85% gebleichte Korallen, (c) Dan Bayley, ZSL

Heather Koldewey, von der Zoologischen Gesellschaft London, die die Expedition nach Chagos leitete, war vom Anblick, der sich ihr bot schockiert: “Ich war hier das letzte Mal vor zwei Jahren und es war immer eine Freude in Chagos zu tauchen, weil man hier Riffe sieht, wie sie eigentlich sein müssten: artenreiche, gesunde Korallen mit viel Fisch und anderen marinen Tieren in einer Dichte, wie man es in anderen Riffen nicht mehr sieht. Der Anblick in diesem Jahr war niederschmetternd.”

Fazit

Nicht nur am Großen Barriereriff vor Australien sterben in diesem Jahr die Korallen ab. Auch der östliche Indische Ozean bekommt die Auswirkungen von El Niño zu spüren. Überall bleichen die Korallen aus und drohen zu sterben. Insbesondere die Situation auf den Malediven scheint extrem kritisch zu sein. Bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten Wochen und Monate kühleres Wasser bringen und den Korallen somit die Chance eröffnet wird, sich wieder zu erholen.



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