Bolsel: Tauchen im Osten von Gorontalo

Bolsel: Tauchen im Osten von Gorontalo

Begleitfahrzeug mit Tauchgepäck

Samstag, 11. April 2020

Bolsel

Am nordöstlichen Rand der großen Tomini Bucht im Zentrum von Sulawesi liegt eine Region, die Bolsel genannt wird. Bolsel ist die Abkürzung für Bolaang Mongondow Selatan, ein Verwaltungsbezirk, der sich östlich an Gorontalo, der großen Hafenstadt am Nordufer der Tomini Bucht, anschließt.

Während Gorontalo unter Kennern der indonesischen Tauchdestinationen schon einen Namen hat – insbesondere wegen der Walhaie, die hier in der Walhai-Saison ab März/April zu sehen sind – ist Bolsel immer noch eine Art Terra Incognita für die meisten Sulawesi-Besucher.

Gorontalo

Für die meisten Touristen ist Gorontalo eigentlich nur eine Durchgangsstation auf dem Weg von Nord-Sulawesi zu den Togian Inseln. Die Mehrzahl der Gäste bleibt hier nicht lange. Die meisten sehen zu, dass sie so schnell wir möglich mit der zweimal wöchentlich verkehrenden Fähre zu den Togian Inseln kommen.
Umgekehrt bleiben auch Besucher, die von den Togian Inseln nach Norden wollen, normalerweise nicht lange in der Stadt. Dabei ist das Tauchen in der näheren Umgebung von Gorontalo und dann weiter im Osten eindeutig besser als auf den Togian Inseln. 

Wenn man schon einmal vor Ort ist, bietet es sich also durchaus an, die beiden Tauchziele Gorontalo und das östlich anschließende Bolsel miteinander zu kombinieren. Gorontalo ist über das indonesische Flugnetz oder von Manado aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln bequem erreichbar. 

In der Stadt gibt es neben der alteingesessene Tauchbasis Miguel’s Diving auch Freelance Tauchguides, mit denen man eine Tauchexpedition nach Osten in Richtung Bolsel organisieren kann. 

Unterkünfte in Gorontalo

Leider ist die touristische Infrastruktur in Gorontalo mehr als dürftig. Es gibt in der Stadt kein einziges wirklich empfehlenswertes Hotel. Ich habe im vergangenen November sowohl das Amaris Hotel als auch das Grand Q Gorontalo getestet.
Für einen längeren Aufenthalt ist eigentlich keines wirklich gut geeignet. Die Zimmer im Amaris sind klein, man bekommt kaum sein Gepäck darin unter. Das Grand Q bietet größere Zimmer, aber besonders im älteren Teil des Hotels sind diese schon ziemlich verwohnt. Immerhin hat das Grand Q eine Dachterrasse mit Pool mit einem schönen Ausblick. Das dritte Hotel in dieser illustren Runde ist das Maqna Hotel. Hier sollen die Zimmerwände aber so dünn sein, dass man jedes Geräusch aus den Nachbarzimmern hört. Alle drei Hotel sind halal. Das heißt, es sind keine alkoholischen Getränke zu kriegen. 

Blick auf Gorontalo vom Hotel
Blick auf Gorontalo von der Dachterrasse des Grand Q Hotels

Nur im Grand Q konnte man in der Bar für umgerechnet 10 € eine Flasche Bier kaufen.
Ein weiteres Ärgernis in Gorontalo ist die nächtliche Lärmbelästigung durch die vielen Moscheen in der Stadt. Jeden Morgen gegen vier Uhr wird man gleich von mehreren leistungsstarken Moschee-Lautsprechern aus unterschiedlichen Richtungen beschallt. Gegen diese Kakophonie hilft nur eins: Möglichst in einem der oberen Stockwerke übernachten und Ohropax nicht vergessen.

Pferdedroschke wartet auf Kunden in Gorontalo
Pferdedroschke wartet auf Kunden in Gorontalo

Tauchen in Gorontalo

Wer sich durch diese wenig erfreulichen Rahmenbedingungen nicht abschrecken lässt, findet vor Gorontalos Küste Tauchplätze vom Feinsten. Die Tauchsaison beginnt im November und endet spätestens im Juni. Danach macht sich der Südost Monsun zu sehr bemerkbar und sorgt für Niederschläge und hohe Wellen an der Küste.
Gorontalo ist also auch ein ideales Tauchziel in den europäischen Wintermonaten und  besonders im Januar/Februar ein gutes Ziel in Indonesien, um der Regenzeit im restlichen Land zu entfliehen. 

Abwechslungsreiche Tauchplätze gibt es in der Umgebung von Gorontalo in großer Zahl. In der Walhai-Saison zwischen März/April und Juni/Juli hat man eine große Chance mit den größten Haien am Tauchplatz Botubarani zu tauchen. 

Walhai bei Gorontalo
Walhai bei Gorontalo


Vor der Steilküste in größeren Tiefen findet man die Salvador Dali Schwämme, eine erst vor einigen Jahren entdeckte neue Art von Vasenschwämmen.
Vor dem Ausflugsort Olele kann man eine bizarre Unterwasserlandschaft besuchen und eine Unterwasserhöhle erforschen. Es gibt mehrere Plätze mit großen Makrelenschwärmen und immer wieder begegnet man bei Tauchgängen großen Hundszahn und Gelbflossen Thunfischen, die im Blauwasser vorbeiziehen.
Auch die Makro-Tauchplätze sind empfehlenswert und brauchen den Vergleich mit Lembeh nicht zu scheuen. Vor dem Dorf Tambo’o etwa, nur wenige Kilometer östlich von Gorontalo fanden wir so viele haarige Anglerfische wie nirgendwo sonst vorher. Hier kann man auch viele seltene Oktopuss-Arten (Kokosnuss, Langarm und Mimik) finden und sogar der Ambon Skorpionfisch ist hier zu Hause. Im Flachwasser gab es viele Seepferdchen zu sehen. Meistens hat man diese Tauchplätze in Gorontalo für sich alleine.

Auf nach Bolsel

Richtig interessant wird es, wenn man Gorontalo nach Osten hin verlässt. Die Straße schlängelt sich an der Küste entlang und in jeder neuen Bucht, die sich eröffnet, schmiegen sich kleine Fischerdörfer an den meist kiesigen Strand. Zuerst sind die steilen Hänge noch kahl und trocken. Hier wächst nicht mehr viel und nur in der Regenzeit wird Mais angebaut.
Nach etwa einstündiger Fahrt ändert sich aber die Landschaft allmählich. Die Berge auf der landeinwärts gelegenen Seite der Straße sind stärker bewaldet und man sieht Nelkenplantagen auf den Hängen. Später dann überwiegt der Dschungel. Ein deutliches Zeichen, dass wir uns dem Bogani Nani Wartabone Nationalpark nähern. Die Bäche, die nun von Norden ins Meer münden, führen kristallklares Wasser und jetzt braucht der vom lauten Gorontalo genervte Sulawesi-Abenteurer nur noch eine Oase der Ruhe, wo er sich den Dreck der Stadt von Körper und Seele spülen kann.

Bogani Homestay

Tatsächlich erreicht man eine solche Oase nach knapp dreistündiger Autofahrt nach Osten. Dann weist nämlich ein unscheinbares Schild am Straßenrand auf das Bogani Homestay hin. Der unbefestigte Weg führt in ein Seitental und nach ein paar hundert Metern den Flusslauf entlang befindet man sich in einer parkähnlichen Landschaft mit einigen Gebäuden und mehreren Teichbecken. Eines davon wird als Badeteich genutzt, die anderen beiden sind Fischteiche.
Die Talhänge sind mit dichtem Dschungel bewachsen und außer Vogelrufen und dem gelegentlichen Geschrei von Makaken, die sich im Urwald in der Nähe austoben, ist den ganzen Tag über nichts zu hören. Überraschenderweise gibt es im Tal kaum Moskitos. Wir hatten während unserer Woche im Bogani Homestay keinen einzigen Mückenstich.

Bogani Homestay Gästehaus mit TeichenBogani Homestay Hinweisschild am EingangBogani Homestay Gästehaus mit PferdBogani Homestay GästehausBogani Homestay Terrasse des GästehausesBogani Homestay Terrasse mit TeichBogani Homestay GästehausBogani Homestay Eingang zum GästehausBogani Homestay PferdBogani Homestay Perd mit ReiherBogani Homestay GästehausBogani Homestay TrailsBogani Homestay DschungelBogani Homestay Black Macaque TrailBogani Homestay Blick auf MeerBogani Homestay Blick während Wanderung

Neben einem großen Haus, in dem der Eigentümer mit seiner Familie wohnt, gibt es ein schönes Gästehaus mit drei Zimmern, Küche, Bad, Terrasse und Wohnzimmer mit einer umfangreichen Büchersammlung. Man kann die Zimmer auch einzeln mieten. Wir hatten uns aber dafür entschieden, gleich das ganze Haus zu nehmen, weil einige unserer Tauchguides auch zeitweise im Haus übernachten wollten.
Gefrühstückt wird jeweils mit der Eigentümerfamilie auf der Terrasse des Haupthauses, das Abendessen haben wir mit unserem Tauchguide und Klaus (Habib), dem Eigentümer ebenfalls bei der  Familie eingenommen. Die Mahlzeiten waren lecker und reichhaltig.

Der Eigentümer des Bogani Homestay ist Klaus Newen, ein zum Islam übergetretener deutscher Auswanderer, der in diesem Tal zusammen mit seiner Frau und zwei Kindern lebt. Ursprünglich sollte hier eine islamische Kommune entstehen, in der mehrere Familien nach islamischen Regeln zusammen leben, arbeiten und beten sollten. 

Nach dem Scheitern dieses Projekts, entschied sich die Familie dazu, das Bogani Homestay zu eröffnen. Wie schon in Gorontalo ist hier natürlich auch alles halal. Auf dem Gelände des Homestays sind keine alkoholischen Getränke erlaubt.

Elektrischer Strom wird mit Hilfe eines Wasserrades erzeugt und ist ab Einbruch der Dämmerung verfügbar. Nicht überall im Tal ist Telefonieren und Datenempfang möglich. Am besten funktioniert es im Haus der Eigentümerfamilie.

Natur pur im Bogani Homestay

An Freizeitaktivitäten hat das Bogani Homestay einiges zu bieten. Natürlich lockt der Dschungel, der gleich hinter der Anlage beginnt. Klaus hat mehrere Trails mit unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrad markiert. Weil wir tagsüber beim Tauchen waren, haben wir während unseres Aufenthaltes nur zwei Trails geschafft:
Den kurzen Trail of the Tarsius, den man locker in einer knappen Stunde schafft und den etwas längeren Black Macaque Trail, für den man bei gemütlichem Tempo etwa zwei Stunden benötigt. Die Koboldmakis sahen wir zwar nicht, aber schwarze Makaken konnten wir in den Bäumen herumturnen sehen.
Weitere, längere Trails sind auf der Homepage des Bogani Homestays beschrieben.

Auch Bogenschießen ist möglich. Man kann Bogen und Pfeile im Resort ausleihen, Schießscheiben stehen an mehreren Stellen auf dem Gelände, weil Klaus arabisches Bogenschießen vom Pferd aus als Sport betreibt.

Auch der Strand ist zu Fuß in einer halben Stunde zu Fuß erreichbar. Hier kann man schnorcheln und am östlichen Ende den Einheimischen beim Bootsbau zuschauen. Nach der Rückkehr im Homestay, ist ein Bad im kühlen Wasser des Badeteichs ein Genuss.

Strand zu verkaufen

Der 1,7 ha große und 300 m lange Strand mit einer Genehmigung für den Bau von 5 Bungalows und eines Restaurants steht zum Verkauf.
Wer Interesse am Aufbau eines Tauchresorts in Bolsel hat, sollte sich die Seite https://bogani-homestay.com/beach.html einmal genauer ansehen und bei Interesse Kontakt mit Klaus aufnehmen.

Tauchen in Bolsel

Wer in Bolsel tauchen möchte, muss vorab einige logistische Probleme lösen. Es gibt zwar in der Nähe des Bogani Homestays eine lokale Tauchbasis (dazu unten mehr), allerdings ist dort nicht immer zuverlässig Tauchen möglich.
Wer sicher sein will, dass es auch wirklich mit dem Tauchen klappt, sollte vorher mit einem zuverlässigen Tauchanbieter Kontakt aufnehmen, der dann alles Nötige organisiert. Dazu gehört der Transport von Tauchboot, Flaschen und gegebenenfalls Kompressor von Gorontalo nach Bolsel sowie der erforderlichen Begleitmannschaft aus Fahrer, Kapitän und Tauchguides.
Für zwei Taucher ist das natürlich ein erheblicher Aufwand und relativ teuer. Das beste Preis-Leistungsverhältnis würde man erzielen, wenn man gleich mit einer Gruppe von sechs Tauchern anreist. Dann verteilen sich die Kosten auf mehr Köpfe. 

Unsere Begleitmannschaft in BolselTee kochen zwischen zwei TauchgängenTauchgang vom Ufer ausBegleitfahrzeug mit TauchflaschenTauchpause am Straßenrand in BolselTaucherin mit TauchguidesMuck-Tauchplatz in BolselUnser Hafen in BolselTauchboot im HafenTauchboot in BolselTauchboot mit Guide und KapitänBegleitfahrzeug mit TauchgepäckBeladen des Autos vor TauchgangBolsel: Unser KapitänBucht in Bolsel mit FischerbootenBucht mit FischerbootenTauchboot am Strand

Klaus hatte mir schon vorher Budi Satria aus Gorontalo für unseren Trip nach Bolsel empfohlen. Budi ist ein Freelance Tauchguide , der die Tauchtour nach Bolsel schon mehrmals mit Tauchern aus der indonesischen Taucherszene durchgeführt hat. Wenn er nicht taucht, organisiert er auch Mountainbike Touren in Sulawesi oder besteigt Berge im Himalaya. 

Tatsächlich erwies sich die Wahl Budis als guter Griff. Ich habe in Indonesien selten eine so gut und effizient gemanagte Tauchtour erlebt wie mit Budi und seinem Team.

Tauchplätze in Bolsel

Die meisten Tauchplätze erreichten wir mit dem Tauchboot, das während unseres Aufenthaltes in einem kleinen Hafenbecken in der Nähe ankerte. Zu einigen, wenigen Tauchplätze fuhren wir auch direkt mit dem Auto und stiegen vom Ufer aus ins Wasser. 

Da sich bisher nur eine Handvoll Taucher nach Bolsel durchgeschlagen hat, gibt es hier immer noch viel zu entdecken. Während unseres Besuchs waren wir vorwiegend westlich vom Bogani Homestay unterwegs.
Es handelt sich dabei um Steilwände, aber auch um sanft abfallende Unterwasserhänge, die überwiegend einen gesunden Korallenbewuchs aufweisen.

Die Tomini Bucht fällt in Bolsel nur wenige Kilometer vor der Küste auf mehr als 2000 m ab. Kühles Tiefenwasser und Strömungen aus der Molukkensee sorgen dafür, dass es in dieser Region selten zu hohen Wassertemperaturen und der damit verbunden zur Korallenbleiche kommt. Während weiter südlich im flachen Wasser rund um die Togian Inseln fast alle Hartkorallen abgestorben sind, ist vor Bolsel von diesen Problemen wenig zu spüren. In Bolsel ist die Unterwasserwelt noch in Ordnung.

Während unserer Tauchgänge sahen wir häufig Gelbflossen – und Hundszahn Thunfische, Schildkröten und hin und wieder sogar ein paar Schwarzspitzen- und Weißspitzen Riffhaie. An Zwei Plätzen (Silver Tower und Barrakuda Point) drehten sich Makrelen – bzw. Barrakudaschwärme über dem Riff.

Für Makro-Liebhaber gibt es ebenfalls lohnende Motive wie den einen oder anderen Anglerfisch, Pygmäen Seepferdchen und verschiedene Nacktkiemenschnecken. Wer es gerne tief mag, findet wie schon in Gorontalo auch hier in Tiefen ab 30 m die großen Salvador Dali Schwämme.

Praktische Hinweise

Tauchanbieter Gorontalo

Miguel’s Diving (Alteingesessene Tauchbasis in Gorontalo)
Jl. Yos Sudarso No 218A
Gorontalo City, Gorontalo Province, Sulawesi, Indonesia
Website: http://miguelsdiving.com/
Fon: +62 852 4004 7027
Mail: info@miguelsdiving.com

Budi Satria (Freelance Tauchguide. Spezialisiert auf Bolsel Tauchsafaris)
Fon/WhatsApp: ‭+62 852 40304700‬
Mail: buds0801@gmail.com

Salvador Scuba Community (Tauchen in Gorontalo & Bolsel)
Website: https://scubagorontalo.com/
Fon/WhatsApp: +62 813 4011 1158
Mail: cecep.nawai@gmail.com

Tauchanbieter Bolsel

Bolsel Diving Club (Tauchbasis in Molibagu mit einfacher Unterkunft)
Reinhart Garang
Fon/WhatsApp: +62 813 40071113
Mail: minanga_marine@yahoo.com

Unterkunft in Bolsel

Bogani Homestay
Biniha Timur
Helumo 95774
Bolmong Selatan, Sulut
Website: https://bogani-homestay.com/index.html
Fon: +62 813 55 91 57 43
Mail: klausneven@gmail.com


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