Lederschildkröten - Leiden im Dienste der Wissenschaft

Lederschildkröten – Leiden im Dienste der Wissenschaft

Lederschildkröte beim Nestbau

24. August 2008

MV Raja Amat ExplorerWährend unserer letzten Tour mit der Raja Ampat Explorer vor dem Vogelkop in West-Neuguinea haben wir auch den letzten in Südostasien verbliebenen Brutstrand der Lederschildkröten in Jamursba-Medi besucht. Das ca. 18 km lange Strandstück liegt westlich von Manokwari und ist nur mit dem Schiff zu erreichen.

Lederschildkröten sind die größten lebenden Schildkröten. Sie erreichen eine Panzerlänge von sage und schreibe 2 1/2 m und bringen im Schnitt etwa 700 kg mit auf die Waage. Sie ernähren sich vorwiegend von Quallen und können bis auf etwa 1200 m Tiefe abtauchen. Eine ausgewachsene Lederschildkröte frisst an einem Tag bis zu 100 kg Quallen!

Nur zur Eiablage kommen die riesigen Tiere wieder an Land. Dabei suchen sie immer wieder den Strand auf, an dem sie selbst einmal geschlüpft sind. Der letzte in Südostasien verbliebene Brutstrand liegt im Norden der Volgelkop-Halbinsel und im Juli/August kommen hier immer noch regelmäßig viele Lederschildkröten zur Eiablage an den Strand. Allerdings sind auch hier die Zahlen in den letzten Jahren rückläufig, obwohl die Strände seit einigen Jahren relativ gut bewacht werden. Leider fallen immer mehr Tiere der Langleinen-Fischerei zum Opfer. Wenn der Trend weiter anhält, werden diese urzeitlichen Tiere in wenigen Jahren ausgestorben sein.

Die Weibchen schwimmen in der Nacht an den Strand, und graben dort eine Kuhle in den Sand, worin sie die 50-100 Eier ablegen. Nach dem Zuschieben der Kuhle kehren die Tiere ins Meer zurück, und überlassen das Ausbrüten der Eier der Sonnenwärme.

Lederschildkröte mit Peilsender

Dass die Anstrengungen von Wissenschaftlern und besonders des WWF, diese Tiere vor dem Aussterben zu bewahren, indem man sie mit Peilsendern ausstattet, nicht immer der Weißheit letzter Schluss sind, wurde uns nachts am Strand von Jamursba-Medi deutlich vor Augen geführt. Wir konnten ein Tier mit Peilsender bei der Eiablage beobachten und machten dabei die bestürzende Entdeckung, dass sich die Halteriemen des Peilsenders tief in die weiche Lederhaut der Schildkröte eingeschnitten hatte, so dass das Tier aus mehreren Wunden im Bereich der Halteriemen blutete. Die Parkwächter, die bei unserem Besuch ebenfalls anwesend waren, bestätigten, dass sie häufiger schwer verletzte, mit Peilsendern ausgestattete Tiere bei der Eiablage beobachtet hatten.

Verletzte LederschildkröteAuf dem Bild lassen sich deutlich die tiefen Einschnitte erkennen, die die Halteriemen des Peilsenders an mehreren Stellen im Körper des Tieres nach dessen Entfernung hinterlassen haben.

Kritisch wäre an dieser Stelle zu hinterfragen, ob Wissenschaftler wirklich so viele Tiere mit offensichtlich nicht geeigneten Halterungen für Peilsender ausstatten müssen. Um die Wanderungsbewegungen dieser Tiere zu verfolgen, müsste es doch eigentlich ausreichen, einige wenige Tiere mit Peilsendern auzustatten.

Unter http://topp.org/species/leatherback_turtle kann man die Wanderung mehrerer Lederschildkröten im pazifischen Raum seit 2004 in Fast-Echtzeit beobachten. Eines der mit Peilsendern ausgestatteten Tiere hat auf seiner Suche nach Quallen innerhalb eines Jahres mehr als 10.000 km zurück gelegt.



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