Neuguinea: Kleine Länderkunde

Während der östliche Teil der Insel Neuguinea vom eigenständigen Staat Papua Neuguinea eingenommen wird, gehört die westliche Hälfte noch immer zum Vielvölkerstaat Indonesien. Im Jahr 2001 kam die indonesische Regierung den Unabhängigkeitsbestrebungen in diesem Landesteil entgegen, indem eine regionale Interessenvertretung eingeführt und der Name des Landesteils von Irian Jaya in Papua Barat (West Papua) umbenannt wurde.

Derzeit gibt es lediglich auf den Raja Ampat Inseln vor der von den Holländern als Vogelkop-Halbinsel bezeichneten Westspitze von Neuguinea und in der Triton Bucht landbasierte Tauchmöglichkeiten. Mittlerweile bieten auch viele Safarischiffe Touren in dieser abgelegenen Region an.
 

Die Raja Ampat Inseln

Raja Ampat Fahnenbarsche
Seit 2003 kehren wir nun regelmäßig zu den Raja Ampat Inseln vor der Vogelkop-Halbinsel zurück, die auf bestem Wege sind, von der UNESCO zu einer World Heritage Region erklärt zu werden. Studien zweier Teams von Conservation International und The Nature Conservancy in den Jahren 2001 und 2002 hatten übereinstimmend zum Ergebnis, dass diese Region sowohl was den Korallenreichtum als auch die Fischvielfalt betrifft zu den wenigen weltweit verbliebenen Brennpunkten der Artenvielfalt gezählt werden muss.

Meeresbiologen fanden hier 465 verschiedene Korallenarten - eine höhere Dichte als in Palau. Dr. Gerald Allen, einer der weltweit bekanntesten Ichthyologen und Autor des Buches "Marine Fishes of Tropical Australia and Southern Asia" konnte während eines einzigen Tauchgangs vor der Insel Kri 284 verschiedene Fischarten dokumentieren. Im 2003 veröffentlichten Abschlussbericht von Dr. Gerald Allen heißt es daher auch, dass die Raja Ampat Inseln die Meeresregion mit der weltweit größten Artenvielfalt sind.
Raja Ampat Riff mit Federsternen
Im September 2006 veröffentlichten der WWF und Conservation International die Ergebnisse einer im Frühjahr desselben Jahres durchgeführten Expedition zum Vogelkop und zur Triton Bucht weiter im Süden. Mit von der Partie war auch mein Freund und Tauchpartner Graham Abbott von Diving4Images. Bei dieser Expedition wurden 52 bisher unbekannte Tierarten entdeckt, darunter sogar zwei kleine Haiarten. In der gesamten Region gibt es mehr als 1800 verschiedene Tierarten, berichteten die Forscher.

Der WWF wies aber auch auf die Gefährdung der Region hin: Während der Expedition waren immer wieder Explosionen von Dynamitfischern zu hören.
Die Raja Ampats (Vier Rajas) bestehen aus den vier großen Inseln Waigeo, Batanta, Salawati und Misool und einer Vielzahl kleiner und kleinster Eilande im Westen von Sorong. Schon beim Landeanflug auf Sorong kann man sich einen guten Überblick über die Region verschaffen. Blautöne in den unterschiedlichsten Nuancen, das satte Grün der mit Dschungel bewachsenen Inseln und schneeweiße Strände bilden ein faszinierendes Ganzes.

Während wir 2003 noch auf dem heruntergekommenen Jefman Airport, dessen Landepiste noch aus dem 2. Weltkrieg stammte, ankamen, landet man seit 2004 auf dem "neuen" Flughafen von Sorong, der aber so billig konstruiert wurde, dass seine Empfangsgebäude mittlerweile fast genau so heruntergekommen sind, wie die des alten Flughafens kurz vor dessen Aufgabe im Jahr 2004.

Besucher der verschiedenen Resorts werden hier bereits abgeholt und mit den Speedbooten der Tauchbasen in 2 Stunden (Papua-Diving) bzw. 4,5 - 5 Stunden (Misool Eco Resort) zu den jeweiligen Resorts gefahren. Die Überfahrt kann an exponierten Stellen mit hohem Wellengang manchmal etwas unangenehm werden. Auf jeden Fall wird man nach dem langen Flug erstmal wieder ganz schön durchgerüttelt.
Taucher, die nach Misool müssen, sind da nicht zu beneiden! Gäste der verschiedenen Tauchschiffe haben es bequemer. Nach einer kurzen Autofahrt zum Hafen wird man zu den jeweiligen Schiffen transferiert und das Abenteuer beginnt.

Beispielhaft kann man sich hier ein kurzes Video über einer meiner Tauchsafaris im Raja Ampat Gebiet ansehen:

Video: Mimpi Raja


Tauchbasen in Raja Ampat

Kri Eco Resort

Papua-Diving


Papua-Diving bietet zwei unterschiedliche Resorts an: Das obere Preissegment bedient das Sorido Bay Resort, die Billigheimer kehren im alten Kri Eco Resort ein. Vorsicht: Auch die Preise des Kri Eco Resort haben sich gewaschen und können locker mit den Preisen von Tauchschiffen mithalten.

Beide Tauchresorts liegen auf der kleinen, unbewohnten Insel Kri, die der großen Nachbarinsel Mansuar vorgelagert ist. Die "Eco" und preiswertere Variante besteht aus einfachen Stelzenhütten am Sandstrand und im flachen Wasser der Lagune. Das Gelände ist mit Kokospalmen bewachsen und gleich hinter dem Resort beginnt dichter Dschungel, in dem sich viele bunte Papageien tummeln. Bei beiden Resorts führt ein etwa 100m langer Holzsteg über das Korallendach bis zur Riffkante. Die Hütten im Eco Resort sind einfach aber zweckmäßig eingerichtet. Es gibt elektrischen Strom für Licht und zum Aufladen von Akkus. Die Betten sind mit Moskitonetzen geschützt. Trotzdem ist Malaria-Prophylaxe unbedingt erforderlich. In der Region sind sämtliche Malariaarten weit verbreitet - leider auch Cloroquin resistente Stämme. Jede Hütte verfügt über eine großzügig dimensionierte Veranda mit einfachen Sitzgelegenheiten.
Das Eco-Resort verfügt über zwei saubere Toiletten und zwei landesübliche Waschplätze mit Wasserkellen. Gegessen wird im einfachen Restaurant am Strand. Die Mahlzeiten sind großzügig bemessen und abwechslungsreich, besonders dann, wenn der Chef der Basis, der Holländer Max Ammer, im Resort ist, was aber nach der Eröffnung des Sorido Bay Resorts immer seltener vorkommt. Mittlerweile kümmert sich eine eigene Resortchefin nur um die Eco-Gäste.
Bungalow Sorida Bay Resort
Wie bereits erwähnt, ist das neu errichtete Sorido Bay Resort im Hinblick auf Service, Komfort und Luxus der Eco-Variante weit überlegen - kostet aber auch dafür deutlich mehr. Sämtliche großzügig dimensionierten Bungalows sind klimatisiert und mit allen Annehmlichkeiten (u. a. Satelliten-Fernsehen) der Zivilisation ausgestattet. Da muss jeder selbst entscheiden, ob er das braucht.

Ansonsten legt Papua Diving Wert auf eine enge Kooperation mit den Bewohnern der wenigen umliegenden Dörfer. Der größte Teil des Personals - mit Ausnahme des Managements - besteht aus Einheimischen und auch die Diveguides sind Papuas.
Sorida Bay Bungalow
Im Tauchpaket sind drei Bootstauchgänge pro Tag inbegriffen. Zusätzliche Tauchgänge können am Hausriff durchgeführt werden. Nachttauchgänge werden nicht gesondert berechnet. Eco- und Sorido-Taucher betauchen dieselben Tauchplätze, allerdings kann man davon ausgehen, dass die besten Guides im Sorido eingesetzt werden. Eco-Taucher werden die Erfahrung machen, dass sie auch hier eben etwas schlechter abschneiden als die Mitglieder der High Society von nebenan.

Da Max Ammer und fast das gesamte Personal Sieben-Tage-Adventisten sind, kann von Freitagabend bis Samstag nicht getaucht werden. Max bietet daher am Samstag ein Alternativprogramm an. So kann man z. B. auf der Nachbarinsel Gam früh morgens den roten Paradiesvogel beobachten, den es nur in diesem Gebiet gibt.

Die meisten Tauchplätze sind mit den beiden Schnellbooten des Resorts in wenigen Minuten (10 - 20 Minuten) erreichbar. Entfernte Tauchplätze werden in der Regel als Ganztagestouren organisiert. Gegessen wird dann auf dem Boot zwischen zwei Tauchgängen. Sauerstoff ist auf den Booten vorhanden. Die nächste Druckkammer ist in Manado, mehrere Flugstunden entfernt in Nord-Sulawesi. Die Flaschen sind immer gut gefüllt, die Luft ist in Ordnung. Wir konnten uns davon überzeugen, dass die Filter des Kompressors regelmäßig gewechselt wurden.

Raja Ampat Dive Lodge


Im Oktober 2009 wurde auf Mansuar, der größeren Nachbarinsel von Kri, ein neues Tauchresort eröffnet, das ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu den Top-Tauchplätzen vor Kri und Mansuar liegt.

Ähnlich wie die teureren Resorts auf Kri liegt das Resort direkt am Strand. Über einen langen Steg kommt man direkt zum Hausriff. Die Gäste sind in klimatisierten, zweckmäßig eingerichteten Doppelbungalows mit Badezimmer und WC untergebracht. Insgesamt sollen 10 Bungalows gebaut werden, so dass im Endausbau maximal 20 Gäste in der Raja Ampat Dive Lodge untergebracht werden können.
Raja Ampat Dive Lodge vom Meer aus
Eigentümer der Lodge ist Grand Komodo, ein Unternehmen, das mit seiner Tauchsafari-Flotte, seit vielen Jahren Touren in sämtliche Regionen Indonesiens anbietet und einen guten Ruf bei Tauchern erworben hat. Wer eine ruhigere Alternative zu Papua-Diving sucht, wird hier aller Voraussicht nach gut aufgehoben sein.

Die Aufnahme des Resorts (links) wurden im April 2009 - also ein halbes Jahr vor der Eröffnung - angefertigt.

Tauchen in Raja Ampat

Typisches Korallenriff Raja Ampat
An vielen Tauchplätzen vor Mansuar und Kri herrscht starke Strömung, so dass die Raja Ampats kein gutes Gebiet für Tauchanfänger sind. Erfahrungen mit Strömungstauchgängen sollten auf jeden Fall vorhanden sein. Die Mitnahme eines Riffhakens hat sich bei unseren Tauchgängen bewährt. Max Ammer erzählte uns beispielsweise, dass er bisher selten Gäste mit weniger als 500 Tauchgängen begrüßen konnte.

Während unserer mittlerweile zehn Aufenthalte in diesem Gebiet war die Sicht sehr wechselhaft. Sie reichte von 5m (!) bis 20m. Sie ist also im Extremfall so schlecht wie in deutschen Baggerseen. Allerdings gibt es große jahreszeitliche Schwankungen der Sichtweiten. Kritisch ist insbesondere die Zeit von Juli bis August. Während dieses Zeitraums werden auch viele Tauchboote in andere Regionen Indonesiens verlegt.
Nacktkiemenschnecken Raja Ampat

Der Fischreichtum und die Artenvielfalt ist bei allen Tauchgängen beeindruckend. Manchmal verschwanden unsere Mittaucher völlig in den großen Fischschwärmen, die die dicht mit Korallen bewachsenen Hänge der Tauchplätze nach Fressbarem absuchten. Die Korallen gehören zu den gesündesten, die wir bisher im südostasiatischen Raum gesehen haben. Auffällig war auch die große Anzahl von Krebsen, Garnelen, Riesenmuscheln und vor allem Nacktkiemenschnecken, die wir an fast allen Tauchplätzen fanden. An vielen Tauchplätzen patrouillieren große Hundszahn-Thunfische, Makrelen und andere Räuber. In der Strömung standen Barrakudaschwärme. Vereinzelt sahen wir auch Adlerrochen. Außer Wobbegongs, die wir bei vielen Tauchgängen sahen, fehlten größere Haie fast völlig, obwohl der Fischreichtum der Region eine gute Voraussetzung für eine große Population der üblichen Riffhaie bieten sollte. Wie in anderen Gebieten Indonesiens zeigen sich hier die Folgen des illegalen Haifischfangs deutlich. Der Handel mit Haifischflossen in Singapur, Hong Kong und Malaysia hat auch in diesem abgelegenen Gebiet tiefe Spuren hinterlassen.

Tauchplätze in der Dampier Straße

Tauchplätze in der Dampier Straße
Papua Diving und die Raja Ampat Dive Lodge haben etwa 30 feste Tauchplätze im Programm, so dass im Laufe eines zweiwöchigen Aufenthaltes keine Langeweile auftreten dürfte, zumal man bestimmte Tauchplätze auch gerne mehrfach aufsuchen möchte. Einige, herausragende Plätze sollen hier kurz beschrieben werden.
Cape Kri
liegt nur 5 Bootsminuten von der Basis entfernt an der Nordostspitze der Insel. Hier herrscht eigentlich immer heftige Strömung und man sieht viele Thunfische, Makrelen, Barrakudas, große Napoleons, Riffhaie und mit Glück einige riesige Zackenbarsche die sich hier manchmal zum Stelldichein treffen. Immer wieder taucht man mit großen Fischschwärmen. Die Korallenformationen sind ebenfalls beeindruckend und artenreich. Im flacheren Abschnitt trifft man immer wieder auf Nacktschnecken und dekorative Skorpionfische und Schaukelfische. Am Ende des Tauchgangs muss man aufpassen, um nicht auf der anderen Seite des Kaps in eine Tiefenströmung zu geraten.

Sardines
entwickelte sich zu unserem Lieblingstauchplatz. Hier fanden wir das, was das Tauchen auf den Raja Ampats so interessant macht. Riesige Fischschwärme schieben sich manchmal zwischen die Taucher, so dass außer Fischleibern nichts mehr zu sehen ist. Großfische wie Thunfische, Makrelen, Weißspitzen Riffhaie patrouillieren am Riff entlang, während Büffelkopf Papageienfische sich an dem reichen Nahrungsangebot an Hartkorallen gütlich tun. Vereinzelt liegen schlafende Wobbegongs auf oder unter Tischkorallen und in großen Gorgonien entdeckten wir ein kleines, hellbraunes Seepferdchen.

Chickenreef
hat mehrere gute Tauchplätze. Sein Namensgeber war jener Taucher, der sich beim Anblick eines Riffhais mit gezücktem Messer hinter einem Korallenblock verbarg. Auch hier stellen sich viele Fischschwärme ein - besonders viele Büffelkopf Papageienfische treiben sich hier herum - und die üblichen Räuber stehen in der Strömung.

Mike´s Point
ist eine winzige Insel im Norden von Kri. Die Unterwasserlandschaft ist sehr abwechslungsreich. Man findet Wände mit Überhängen, schöne Fächerkorallen mit Pygmäen Seepferdchen, ein großes Feld mit Geweihkorallen und farbenprächtige Fächerkorallen in etwa 3 - 4m Tiefe. Im Strömungsschatten großer Felsen stehen Schwärme von Schnappern. An diesem Tauchplatz sichtete einer unserer Mittaucher eine Dugong.
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Mios Kon
ist ein sicherer Wobbegong-Tauchplatz. Mehrere dieser eher langweiligen, nachtaktiven Haie liegen dekorativ auf Tafel- oder sogar in Trichterkorallen und lassen sich von Tauchern kaum in ihrer Ruhe stören. Schwärme von Schnappern stehen an mehreren Stellen in der Strömung und lassen Unterwasserfotografen und -filmer bis auf Armlänge herankommen.
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The Passage
Zwischen den Inseln Waigeo und Gam liegt ein Tauchplatz der Extraklasse. In der engen Passage, die Waigeo und Gam voneinander trennt, strömt das Wasser heftig mal in die eine, mal in die andere Richtung. Die Ufer dieses manchmal nur 30m breiten Wildwassers sind dicht mit Dschungel bewachsen und man kann die Bäume vom Grund aus sehen. Glücklicherweise gibt es hinter großen Felsbrocken und in Buchten immer wieder einmal ruhige Zonen mit farbenprächtigen Weichkorallen und Seescheiden. Orangefarbige Gorgonien reichen an einigen Stellen fast bis zur Wasseroberfläche. Im Geäst versunkener Urwaldbäume schwammen Kardinalfische und dicht unter der Wasseroberfläche lagen Schützenfische (Archer Fish) auf der Lauer, um mit gezielten Wasserstrahlen Insekten von den Blättern zu schießen.

Nudibranch Rock
Liegt am Ende der Passage. Wie der Name schon sagt, ist dies der ultimative Nacktschneckentauchgang. Rund um den Korallenfelsen findet man in geringer Tiefe während eines einzigen Tauchgangs ohne Mühe mehr als 20 verschiedene Nacktschneckenarten, verschiedene Gobby-Arten, Pfeifenfische und den obligatorischen Wobbegong.

Weitere Tauchplätze:
  • Fam Wall (Mandarinfische, Geisterffeifenfische, Zwergseepferdchen, Fire Shells)
  • P47 D-Bomber, Razerblade-Thunderbolt Das Flugzeug liegt in etwa 30m Tiefe auf dem Rücken und ist mit Weichkorallen fast bis zur Unkenntlichkeit bewachsen. Ein Tauchgang, der sich nicht unbedingt lohnt.
  • Wai Island Hier findet man in der Saison (Oktober, November) große Mantas. Wir fuhren den Tauchplatz verschiedene Male an. Leider ließen sich die Mantas nicht immer sehen.

Videos: Tauchen in Raja Ampat

Im Video-Portal Vimeo findet man eine von mir gepflegte und regelmäßig aktualisierte Sammlung von Unterwasser-Videos. Die Sammlung ist nach Tauchgebieten in Alben sortiert, so dass man zielgerichtet Unterwasser-Videos des Tauchgebiets ansehen kann, in das man reisen möchte.
Man sieht hier das, was andere Taucher vorher in Raja Ampat gesehen und gefilmt haben. Damit bietet diese Plattform Tauchern die Möglichkeit, sich schon vor der Reise ein relativ objektives Bild von der Unterwasserwelt Raja Ampats machen.
Videos: Tauchen in Raja Ampat

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