Als am 26. Dezember 2004 ein Seebeben der Stärke 9,1 vor der Nordspitze Sumatras eine Flutwelle wahrhaft globalen Ausmaßes im Indischen Ozean verursachte, hatten wir unsere Flüge in die Nähe des Epizentrums der Katastrophe längst gebucht. In den nächsten Wochen und Monaten verfolgten wir erschüttert der Berichterstattung über die Auswirkungen des Tsunamis, der neben Thailand, Indien, Sri Lanka und anderen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans mit vernichtender Gewalt die Region Banda Aceh im Norden von Sumatra traf.
Bei über 200 000 Toten in Indonesien und Bildern der Verwüstung, die um die Welt gingen, konnten wir uns kaum vorstellen, nur wenige Monate später dorthin zum Tauchen zu fliegen. Zumal zu befürchten war, dass die Flutwelle auch unter Wasser schwere Schäden angerichtet haben könnte.


Tatsächlich stellte sich aber im Laufe der nächsten Wochen heraus, dass unser Ziel, die kleine Insel Pulau Weh, nur eine knappe Bootsstunde von Banda Aceh entfernt, mit einem blauen Auge davon gekommen war. Man zählte "nur" 12 Tote und viele Hütten in Strandnähe waren zerstört, aber das gebirgige Profil der Insel und die hohe Steilküste im Westen verhinderten offensichtlich das Schlimmste.

Karte von Nord Sumatra
Schon im März konnte unsere Tauchbasis Lumba Lumba zu unserer Freude mitteilen, dass der Kompressor wieder in Gang gesetzt worden war und erste oberflächliche Untersuchungen der Tauchplätze keine nennenswerten Hinweise auf Schäden ergeben hatten. Damit gab es für uns auch keinen Grund mehr, unsere Reisepläne zu verändern.

Das zerstörte Banda Aceh
Für indonesische Verhältnisse verlief die Anreise erstaunlich unproblematisch. Sie dauerte von Haustür zu Haustür nur 24 Stunden und wir konnten noch am Abend beim Sonnenuntergang unser Bier im Lumba Lumba Dive Centre genießen.

Für das Reisen nach Banda Aceh ist seit Anfang 2005 keine Sondergenehmigung mehr erforderlich und nach dem Friedensvertrag der Befreiungsbewegung für Aceh (GAM) mit der indonesischen Regierung im August 2005 ist die Hoffnung groß, dass auch der Bürgerkrieg in diesem an Erdöl und Erdgas reichen Landesteil Indonesiens ein Ende haben wird.

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Pulau Weh


In Pulau Weh fängt Indonesien an. Die Insel ist der westlichste Außenposten Indonesiens und kennzeichnet gleichzeitig die westlichste Ecke des Dreiecks der Artenvielfalt in Südostasien, das sich von den Philippinen im Norden über die Ostspitze von Papua Neuguinea und den Salomonen bis nach Pulau Weh im Westen erstreckt. Die Insel ragt zwischen großen Meerestiefen im Westen und der eher flachen Straße von Malakka im Osten aus der Andamanensee empor. Sie ist vulkanischen Ursprungs, erdgeschichtlich relativ jung und Teil einer Inselkette, zu der weiter nördlich die Nikobaren und Andamanen gehören.

Karte von Pulau Weh
Von Banda Aceh verkehrt zweimal täglich eine Fähre nach Pulau Weh. In knapp einer Stunde kommt man in Balohan im Süden an und benötigt dann noch etwa 45 Minuten mit dem Taxi über mit Schlaglöchern gepflasterten Straßen bis zum Strand von Gapang, wo sich das Lumba Lumba Dive Centre befindet.
In Gapang findet man auch einige Resorts mit recht großen Bungalows, die sogar zum Teil klimatisiert sind. Hier kann man recht komfortabel wohnen.
Einfache Restaurants (Garküchen) finden sich am Strand und an Wochenenden - oder wenn in den Resorts Reisegruppen untergebracht sind - kann man möglicherweise sogar in den Resorts essen.

Gapang Beach
Die Alternative für alle diejenigen denen Gapang zu teuer ist liegt nur wenige Kilometer weiter nördlich in Iboih. Hier findet man neben zum Teil ziemlich heruntergekommenen Homestays auch einige recht schöne Unterkünfte in einfachen Holzhütten direkt am Wasser. Gäste, die hier untergekommen sind, werden vom Lumba Lumba Dive Centre auf dem Weg zu den Tauchplätzen abgeholt.

Das Tauchen in Pulau Weh

Pulau Weh liegt am östlichen Rand des Indischen Ozeans. Daher findet man unter Wasser auch vorwiegend die Fischwelt dieser Region vor, wobei aber auch Einflüsse der artenreicheren indo-pazifischen Region weiter im Osten spürbar sind. Besondere Strömungsverhältnisse tragen ihr Übriges dazu bei, die Insel zu einem regionalen Hotspot der Artenvielfalt zu machen.
Gerald Allen, der zusammen mit Mark Erdmann im Mai 2005 Pulau Weh besuchte, entdeckte bei diesem Besuch erneut mehrere bisher unbekannte Fischarten, darunter eine Sandaalkolonie in der Nähe des Unterwasservulkans und einen möglicherweise endemischen Zwergbarsch (Pseudochromis sp.).


Die meisten Tauchplätze liegen im Nordwesten der Insel. Es handelt sich vielfach um kleine Wände und Hänge mit Plateaus und großen Felsblöcken. An Korallen fallen besonders viele Fächerkorallen und Grüne Becherkorallen (Tubastraea micrantha) auf, die vor Fahnenbarschen und Falterfischen wimmeln. Im flacheren Wasser findet man stellenweise schöne Korallengärten mit einer großen Vielfalt an Stein- und Weichkorallen. Die Tauchplätze vor der Westküste zeichen sich durch einen besonders schönen Bewuchs mit Weichkorallen aus.

Video: Die Riffe von Weh


Überall trifft man auf große Schwärme mit Füsilieren und Schnappern. Makrelen und Thunfische sind ebenfalls häufig zu sehen.
Auffällig ist auch die große Zahl von Muränen, die im felsigen Untergrund ideale Lebensbedingungen finden. Neben großen Riesenmuränen findet man besonders viele große Netzmuränen und Geistermuränen.

An Großfischen sahen wir einige Napoleons, Schwarzspitzen Riffhaie, Riesen-Zackenbarsche, Adlerrochen, Thunfische und Makrelen. Von Januar bis Mai stellen sich vor der Westküste häufig Mantas ein. Im europäischen Sommer Juli/August sind diese Tauchplätze wegen der dann vorherrschenden Westwinde allerdings nicht immer betauchbar.

Immer wieder sahen wir Schildkröten am Riff, viele unterschiedliche Skorpionfischarten und interessante Nacktkiemenschnecken.

Die Sichtweiten waren erstaunlich gut und lagen um die 20 m. An einigen Plätzen muss mit starken, unberechenbaren Strömungen gerechnet werden (z.B. Arus Paleh).

Video: Das Wrack der Sophie Rickmers


Zum Tauchprogramm gehören auch zwei Wracks:
Im Hafen von Sabang liegt ein kleiner Schlepper in nur 14 m Tiefe, der für Makro-Liebhaber ganz interessant ist.
Nur wenige Minuten von der Tauchbasis entfernt liegt das 134 m lange Wrack der Sophie Rickmers in über 60 m Tiefe auf Grund. Die Steuerkabine liegt in etwa 37 m und das Deck befindet sich in 45 m Tiefe. Ein interessanter Tauchgang - aber nur für erfahrene Taucher!

Etwas ganz Besonderes ist der Unterwasservulkan auf Pulau Weh. Hier strömen aus Fumarolen unter Wasser heiße Gase aus dem Meeresboden. Man taucht in 9 m Tiefe durch einen dichten Vorhang aus Gasblasen und kann sich über den Fumarolen aufwärmen. Dieser Unterwasservulkan ist übrigens viel interessanter als der viel besuchte Unterwasservulkan bei den Sangihe-Inseln im Norden von Sulawesi.

Wir fanden an keinem der von uns besuchten Tauchplätze erkennbare Schäden durch den Tsunami. Ein zeitgleich anwesendes Wissenschaftlerteam, das im Auftrag der UNESCO eine Bestandsaufnahme der Riffe vor Pulau Weh durchführte, bestätigte unsere Einschätzung. Die Korallenriffe vor Pulau Weh haben den Tsunami fast unbeschädigt überstanden.

 

Karte der Tauchplätze

 

Rubiah Seagarden
Ein flacher gemütlicher Tauchgang in einem schönen Korallengarten. Ein sehr guter Tauchplatz für Nachttauchgänge. Wir sahen eine Spanische Tänzerin, verschiedene kleine Sepias und Einsiedlerkrebse. Am Tage findet man Muränen, Blaupunktrochen, Skorpionfische und Nacktkiemenschnecken.

Arus Balee (Widow´s Current)
Der Tauchplatz liegt an einer Felsnadel zwischen den beiden Inseln Rubiah und Seulako. Ob die Strömungen dort schon einheimische Fischersfrauen zu Witwen gemacht haben, wissen wir nicht. Einige Taucher hat es hier allerdings schon erwischt, und sie mussten weit weg im Blauen auftauchen. Hier findet man große Schwärme von Füsilieren und andere Schwarmfische. Auch die großen Räuber kann man hier bei Strömung antreffen. Wir fanden in geschützten Bereichen viele Geistermuränen, Blaupunktrochen und verschiedene Skorpionfische.

Rubiah Utara (Rubiah North)
Dieser Tauchgang beginnt im Norden der kleinen Insel Rubiah und folgt einem mit großen Felsblöcken und Geröll bedeckten Hang nach Norden. Man findet viele Fächerkorallen und große, grüne Kelchkorallen. Manchmal schafft man es von hier bis zu Arus Balee zu tauchen. Das klappt aber nur, wenn ausnahmsweise keine Strömung vorhanden ist.

Batee Tokong und Shark Plateau
Batee Tokong ist Teil eines sich nach Norden hinstreckenden Unterwasserplateaus. Einige Felsen ragen aus dem Wasser heraus und formen eine Wand bis in etwa 25 m Tiefe. Hier beginnt eine flache Stufe, die dicht mit Fächerkorallen bewachsen ist. Weiter nach Norden hin setzt sich der Tauchplatz dann zum Shark Plateau weiter fort. Neben einer Vielzahl verschiedener Muränenarten sahen wir an diesem Tauchplatz Napoleons, große Zackenbarsche und Schwarzspitzen Riffhaie.


Batee Gla
Nach dem Einstieg an einem sandigen Hang mit Sandaalen setzt sich der Tauchgang zwischen Felsformationen weiter fort. Es gibt Klüfte und enge Passagen, zwischen denen man hindurch tauchen kann. Wir sahen Schildkröten, Fangschrecken Krebse, viele Muränen und einen Riesen Zackenbarsch.

The Canyon
Ein faszinierender Tauchplatz, der im Sommer wegen des West-Monsuns schwierig anzufahren ist.
Unter Wasser findet man schöne Felsformationen. Eine Höhle im Süden, einen mit Fächer- und Weichkorallen bewachsenen Canyon und ein Felsentor in etwa 35 m Tiefe.
Man sieht fast immer mehrere große Napoleons, Makrelenschwärme und Schwarzspitzen Riffhaie. Wenn genug Plankton im Wasser ist, kann man hier Mantas dicht unter der Oberfläche sehen.

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Wrack der Sophie Rickmers
Das 134 m lange Wrack der 1920 gebauten "Sophie Rickmers" aus der gleichnamigen Hamburger Werft liegt seit dem 10. Mai 1940 auf dem Grund der Pria Laot Bucht von Pulau Weh. Die Mannschaft hatte auf Befehl ihres Kapitäns das Frachtschiff selbst versenkt, um der Konfiszierung durch die Holländer am Anfang des 2. Weltkrieges zu entgehen.
Heute leben im Wrack einige Riesen Zackenbarsche, Riesenmuränen und Makrelen. Man findet auch in Paaren den eher seltenen Schwarzpunkt Kaiserfisch (Genicanthus melanospilos).
Mit der Brücke in 37 m, dem Deck in 45 m und dem Bug in über 60 m ist dies definitiv kein Anfänger-Tauchgang! Entsprechend wird dieser Tauchgang als Dekompressionstauchgang mit einer Grundzeit von 18 Minuten und entsprechend langen Aufstiegszeiten durchgeführt.
Kleines Wrack & Unterwasservulkan
Der Schlepper im Hafen von Sabang liegt in nur 14 m Tiefe auf sandigem Grund. Die Sicht ist hier nicht immer sonderlich gut. Es ist ein einfacher Makro-Tauchgang mit der Chance auf Seenadeln, Seepferdchen, Nacktkiemenschnecken und Geisterpfeifenfische zu treffen.
Auf dem Weg zurück erfolgt ein Stopp beim Unterwasservulkan in der Pria Laot Bucht. Eine einmalige Erfahrung und meiner Meinung nach der interessanteste Unterwasservulkan den man in Indonesien betauchen kann!

Die Tauchbasis

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Die Lumba Lumba Tauchbasis liegt direkt am Strand von Gapang. Das zweistöckige, große Gebäude war wie die meisten Häuser am Strand von Gapang vom Tsunami schwer beschädigt worden. Nach dem Rückzug der Flutwelle fanden Marjan und Ton, die Eigentümer der Basis, im 2. Stock einen Fisch im Bad, den die Flut dort zurückgelassen hatte. Eine Wand war eingedrückt und sämtliche Fenster an der Strandseite waren zu Bruch gegangen.

Bei unserem Besuch im Juli 2005 waren fast alle Schäden beseitigt und die Tauchbasis in einem geordneten Zustand. Lumba Lumba verfügt über ein gutes Angebot gepflegter Leihausrüstungen. Die einheimischen Tauchguides sind aufmerksam und kennen die Tauchplätze sehr gut.

Ein Tauchtag fängt gemütlich an und beginnt relativ spät. Zuerst muss am Strand in einer der Garküchen gefrühstückt werden. Dann erfolgt die erste Ausfahrt zwischen 9.30 und 10.00 Uhr. Der zweite Tauchgang folgt dann nachmittags nach dem Mittagessen. Nachttauchgänge beginnen nach Sonnenuntergang um 19.00 Uhr.

Mit den 120 PS starken Tauchbooten sind die meisten Tauchplätze in relativ kurzer Zeit zu erreichen. Nur die Ausfahrten zu den Tauchplätzen an der Westküste können etwas länger dauern.

Kontakt

Lumba Lumba Diving Centre
Gapang Beach
Pulau Weh
PO Box 65
Sabang
NAD, Indonesia
Tel/Fax (shop): + 62 652 331133
Tel/SMS (shop): + 62 811 682787
Tel/SMS (private): + 62 811 682187
E-Mail: info@lumbalumba.com
Internet: http://www.lumbalumba.com