Mit dem Tauchschiff zu Jacques Cousteaus Basecamp


Im Osten der Tukang Besi Inseln in Indonesien liegen über ein großes Areal verstreut weitere kleine Inseln und Atolle. Jacques Cousteaus Basecamp befand sich auf Moromaho, einer kleinen Insel, die sich am östlichsten Rand dieser Inselgruppe befindet. Von hier aus erforschte er in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Tauchgründe der Region.

Auch für dieses Gebiet gilt, dass es nur in der Zwischenmonsunzeit im April und Oktober relativ sicher betaucht werden kann.
Im April 2002 haben wir das Gebiet an Bord eines Tauchschiffes besucht und wie schon im Jahr zuvor neue und völlig unberührte Korallenriffe kennen gelernt.
Unsere 14-tägige Tour führte uns von Kendari direkt zu den östlichen Atollen des Tukang Besi Archipels und von dort weiter nach Westen über Pasar Wajo und Batuata an der Ostküste Selayars entlang nach Bira.
Reiseroute im Tukang Besi Archipel
Reiseroute Ostern 2002

Insbesondere über die östlichen Atolle liegen praktisch keine Tauchberichte vor, so dass bis auf wenige Ausnahmen die meisten unserer Tauchgänge explorativen Charakter hatten.
Karte: Atolle im Tukang Besi Archipel
Die östlichen Atolle

Ronduma und Karang Kohomaha

Unsere ersten Tauchgänge führten wir vor Anano, einer kleinen nördlich von Ronduma gelegenen Insel durch. Sämtliche Tauchgänge fanden an der Westseite der Insel an einer mit Hart- und Weichkorallen und vielen Gorgonien bewachsenen Wand statt. Bei einer Sichtweite von mehr als 30 m konnten wir bei mehreren Tauchgängen verschiedene Schaukelfische, Drachenköpfe und eine Schildkröte sehen. Besonders schön war das Riffdach, dass wir am Ende unserer im Schnitt 70-minütigen Tauchgänge ausgiebig untersuchten. Bei einem Tauchgang an der Nordwestseite am Nachmittag direkt vor einem schönen Sandstrand tauchten dann auch Hundszahn-Thunfische, Königsmakrelen und Makrelenschwärme auf. Ein Nachttauchgang am selben Platz verlief unspektakulär.
Proviant für Tauchsafari


Karang Koromaha,

etwa 40 km weiter südlich gelegen, liegt in Sichtweite von Tomea. Trotzdem verirren sich Fischer aus Tomea mit ihren kleinen, oft instabilen Booten nur selten hierhin. Wir ankerten im Inneren des etwa 6 km breiten Atolls, zusammen mit zwei kleineren Fischerbooten aus Kaledupa, die wir tagsüber mit Angelschnüren beim Fischen beobachten konnten.

Während unseres Aufenhaltes tauchten wir vorwiegend an den Wänden im Nordwesten und Nordosten des Atolls, wo sich auch ein natürlicher Eingang in die Lagune befindet. An dieser Stelle muss mit heftigen Strömungen gerechnet werden. Andererseits schien uns dies aber auch ein viel versprechender Platz für Großfischbegegenungen zu sein.
Die Tauchgänge erwiesen sich als recht abwechslungsreich: Hänge mit großen Peitschenkorallen und steile Wände mit Überhängen und vielen schwarzen Korallen und Gorgonien wechselten sich bei den Tauchgängen ab. Auch hier war das Riffdach - von wenigen Stellen abgesehen - völlig intakt und die Vielartigkeit der Hart- und Weichkorallen war spektakulär. Die erhofften Großfischbegegnungen fanden allerdings nur vereinzelt statt. Wir sahen große Thunfische, einen Weißspitzen Riffhai, Adlerrochen, Zackenbarsche, Barrakudas und einige Schildkröten.

Karang Koka

Nach einem Zwischenstopp und Tauchgang bei Pulau Cowocowo, einer kleinen mit Palmen und Dschungel bewachsenen Insel, erreichten wir Karang Koka.
Karang Koka hat noch größere Ausmaße als Karang Koromaha und besitzt zwei natürliche Eingänge an der Süd- und Nordostseite. Wir trafen bei unseren Tauchgängen, die vorwiegend an der Nord- und Westseite des Atolls stattfanden, steile Wände und an einigen Stellen steile Abhänge vor. Der Bewuchs mit Hart- und Weichkorallen war überall sehr dicht und abwechslungsreich. An einigen Plätzen entdeckten wir riesige Gorgonien und immer wieder Bestände mit schwarzen Korallen.
scorpion

Immer wieder trafen wir auf große Fischschwärme, Stachelmakrelen, Hundszahn-Thunfische, Napoleonfische und Adlerrochen.

Nachttauchgänge in der Lagune erwiesen sich auf sandigem Untergrund und Hirschhornkorallen als weniger spektakulär.

Pulau Moromaho

Wegen unsicherer Ankermöglichkeiten entschlossen wir uns Pulau Moromaho jeweils von Karang Koka aus anzufahren und die Nächte in der Lagune zu verbringen. Moromaho erwies sich als kleine, mit Palmen bewachsene Insel, die sich aus Meerestiefen von über 400 m steil erhebt. Das flache, breite Riffdach endet abrupt an über 60 m hohen, steilen Wänden, die sich dann weiter in die Tiefe senkten. Unser Schiff musste während der Tauchgänge vor Moromaho kreuzen, da keine natürlichen Ankerplätze zu finden waren.
Unsere Tauchgänge an der Westseite erwiesen sich alle als überaus abwechslungsreich. Nirgendwo sonst während unserer Fahrt fanden wir so große Fischschwärme von Stachelmakrelen und Füssilieren wie hier. Die Wände waren zerklüftet, voller Überhänge und tiefer Einbuchtungen. Überall fanden wir große Gorgonien, schwarze Korallen und riesige Röhrenschwämme. Immer wieder gerieten wir aber auch in heftige Strömungen; im Anschluss an unseren letzten Tauchgang sogar in eine unangenehme Tiefenströmung.
Bei einem Landgang stellte sich heraus, dass die Insel nicht unbewohnt war. In der Saison sind Menschen hier, die die Kokosnüsse ernten und Trockenfisch herstellen. Es soll sogar Wasser geben. Wir verzichteten aber auf einen Test und zogen das desalinierte Wasser unseres Tauchschiffs vor.
Tauchplatz vor Moromaho
Moromaho - Jacques Cousteaus Basecamp



Pulau Hoga

Auch in diesem Jahr hatte Hoga wieder einige Überraschungen für uns bereit. Durch die Aktivitäten der Operation Wallacea sind die Riffe vor Hoga geschützt. Es gibt eine Rangergruppe, die tatsächlich auch eingreift, wenn es zu Zerstörungen von Riffen kommt. So konnten wir beobachten, wie Einheimische, die Riffbrocken für den Hausbau aus dem Riff gebrochen hatten, diese unter Bewachung der Ranger wieder im Meer versenken mussten. Auch die Unterwasserwelt mit recht großen Zackenbarschen, Napoleons und einer sehr hohen Diversität zeigt, dass die Schutzmaßnahmen insgesamt erfolgreich sind. Wie im vergangenen Jahr fanden die besten Tauchgänge an der Northern Wall und den Pinnacles statt, wo wir wieder einmal Stachelmakrelen und Giant Trevallies bei der Jagd zusehen konnten.
2002 gab es in Indonesien kaum Tauchschiffe

Ein Vorfall an der Northern Wall soll nicht unerwähnt bleiben: In der zweiten Hälfte des Tauchgangs gerieten wir völlig unerwartet in eine extrem starke Strömung. Dieser "Unterwassertornado" baute sich plötzlich auf, ließ die vorher gute Sichtweite auf wenige Meter schrumpfen und zwang uns für etwa 15 Minuten in 12m Tiefe zu bleiben, wobei sich alle krampfhaft und nur mit großer Anstrengung am Riff festhielten, um nicht von den Wassermassen, die von oben auf uns herab stürzten, in die Tiefe gerissen zu werden. Einer unserer Mittaucher war in diesem Moment zu weit von der Wand entfernt und wurde innerhalb von Sekunden auf 36 m herunter gedrückt und von der Strömung weggerisssen. Er kam nach einem dann wieder sicheren Aufstieg weit weg vom Boot wieder an die Oberfläche. Für einen unerfahrenen Taucher hätte diese Situation tödlich enden können.

Batuata

Batuata oder Batuatas heißt "Hoher Felsen". Die Insel, auf halber Strecke zwischen den Tukang Besi Inseln und Selayar gelegen, trägt ihren Namen zu Recht. An ihrer Westseite ragen hohe Kalksteinfelsen hinter einem schönen mit Palmen bewachsenen Sandstrand empor - ein ideales Setting für einen schönen Südseefilm. Die Insel ist bewohnt und es gibt gelegentliche Kontakte mit Baubau auf Buton. Ansonsten sind die 5 Dörfer der Insel unter sich. Touristen wurden vor uns wohl noch keine gesichtet, denn der Auflauf im Dorf bei unserem Besuch war beträchtlich.
Pulau Batuata - Steile Felswände
Batuata- Weißer Sandstrand, hohe Kalkfelsen

Wir kamen vor Batuata nach Zwischenstopps am Kaledupa Riff und Pasarwajo am Morgen an und unternahmen drei Tauchgänge an der Westseite. Auch hier fanden wir wie praktisch überall auf unserer Tour eine etwa 50 m tiefe, stark zerklüftete Wand vor, die mit Gorgonien und Weichkorallen bewachsen war. Wir sahen mehrere Schildkröten, Büffelkopf-Papageienfische und Makrelenschwärme.

Batuata erwies sich als lohnendes Ziel für Tauchfahrten in der Region und lädt auch wegen seiner malerischen Lage zu Landgängen ein.

Selayar und Bira

Nach einer Nachtfahrt von Batuata erreichten wir am nächsten Morgen die Südspitze von Selayer in der Nähe des Selayar Dive Resorts. Jochen hat es mittlerweile erreicht, dass dieser Küstenteil Selayars ein Teil des Taka Bone Rate-Nationalparks geworden ist. Das hat zur Folge, dass Besucher eine Nationalparkgebühr entrichten müssen und hoffentlich der Schutz dieses Tauchgebietes verbessert wird.

Unsere Tauchgänge nördlich des Resorts am Tanjung Cumi waren wie im Vorjahr sehr abwechslungsreich, zumal dort große Barrakuda-Schwärme anzutreffen sind.

Auf der Fahrt nach Norden hatten wir wieder eine spektakuläre Pottwal-Begegnung. Das große Tier tauchte unmittelbar neben unserem Boot ab.

Bira zum Abschluss unserer Fahrt hinterließ gemischte Gefühle. Wir trafen hier endlich auch Haie in größerer Anzahl, besonders vor Pulau Kambing und am Kap Bira. Leider scheint aber die Dynamitfischerei, die wir schon in den Vorjahren beobachten konnten, mit unveränderter Heftigkeit weiter zu gehen. Während eines Tauchgangs am Kap Bira, wurden wir recht unsanft von einer Explosion aufgeschreckt und ein Besuch bei den nördlich von Bira gelegenen Mamasa Pinnacles, die wir vor vier Jahren noch als schön bewachsene Unterwasserkämme kennen gelernt hatten, erwies sich als große Enttäuschung. Sämtliche flacheren Teile des Kammes bestanden nur noch aus Korallenschutt als Folge ungezügelter Dynamitfischerei.