Tauchen in Gorontalo und Bolsel

Während Gorontalo unter Kennern der indonesischen Tauchdestinationen schon einen Namen hat – insbesondere wegen der Walhaie, die hier in der Walhai-Saison ab März/April zu sehen sind – ist Bolsel immer noch eine Art Terra Incognita für die meisten Sulawesi-Besucher.

Bolsel ist die Abkürzung für Bolaang Mongondow Selatan, ein Verwaltungsbezirk, der sich östlich an Gorontalo, dem Eingangstor zu den Togian Inseln am Nordufer der Tomini Bucht, anschließt.

Gorontalo

Für die meisten Touristen ist Gorontalo eigentlich nur eine Durchgangsstation auf dem Weg von Nord-Sulawesi zu den Togian Inseln. Die Mehrzahl der Gäste bleibt daher hier nicht lange. Die meisten sehen zu, dass sie so schnell wir möglich mit der zweimal wöchentlich verkehrenden Fähre zu den Togian Inseln kommen.
Umgekehrt bleiben auch Besucher, die von den Togian Inseln nach Norden wollen, normalerweise nicht lange in der Stadt. Dabei ist das Tauchen in der näheren Umgebung von Gorontalo und dann weiter im Osten eindeutig besser als auf den Togian Inseln.

Wenn man schon einmal vor Ort ist, bietet es sich also durchaus an, die beiden Tauchziele Gorontalo und das östlich anschließende Bolsel miteinander zu kombinieren. Gorontalo ist über das indonesische Flugnetz oder von Manado aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln bequem erreichbar.

In der Stadt gibt es neben der alteingesessene Tauchbasis Miguel’s Diving auch Freelance Tauchguides, mit denen man eine Tauchexpedition nach Osten in Richtung Bolsel organisieren kann. Genauere Hinweise findest du am Ende dieses Beitrags.

Unterkünfte in Gorontalo

Leider ist die touristische Infrastruktur in Gorontalo mehr als dürftig. Es gibt in der Stadt kein einziges wirklich empfehlenswertes Hotel. Ich habe im November 2019 sowohl das Amaris Hotel als auch das Grand Q Gorontalo getestet.

Für einen längeren Aufenthalt ist eigentlich keines wirklich gut geeignet. Die Zimmer im Amaris sind klein, man bekommt kaum sein Gepäck darin unter. Das Grand Q bietet größere Zimmer, aber besonders im älteren Teil des Hotels sind diese schon ziemlich verwohnt. Immerhin hat das Grand Q eine Dachterrasse mit Pool und einem schönen Ausblick.
Das dritte Hotel in dieser illustren Runde ist das Maqna Hotel. Hier sollen die Zimmerwände aber so dünn sein, dass man jedes Geräusch aus den Nachbarzimmern hört. Alle drei Hotel sind halal. Das heißt, es sind keine alkoholischen Getränke zu kriegen.
Blick auf Gorontalo von der Dachterrasse des Grand Q Hotels
Blick auf Gorontalo von der Dachterrasse des Grand Q Hotels
Nur im Grand Q konnte man in der Bar für umgerechnet 10 € eine Flasche Bier kaufen.
Ein weiteres Ärgernis in Gorontalo ist die nächtliche Lärmbelästigung durch die vielen Moscheen in der Stadt. Jeden Morgen gegen vier Uhr wird man gleich von mehreren leistungsstarken Moschee-Lautsprechern aus unterschiedlichen Richtungen beschallt. Gegen diese Kakophonie hilft nur eins: Möglichst in einem der oberen Stockwerke übernachten und Ohropax nicht vergessen.
Pferdedroschke wartet auf Kunden in Gorontalo
Pferdedroschke wartet auf Kunden in Gorontalo

Tauchen in Gorontalo

Wer sich durch diese wenig erfreulichen Rahmenbedingungen nicht abschrecken lässt, findet vor Gorontalos Küste Tauchplätze vom Feinsten. Die Tauchsaison beginnt im November und endet spätestens im Juni. Danach macht sich der Südost Monsun zu sehr bemerkbar und sorgt für Niederschläge und hohe Wellen an der Küste.
Gorontalo ist also auch ein ideales Tauchziel in den europäischen Wintermonaten und besonders im Januar/Februar ein gutes Ziel in Indonesien, um der Regenzeit im restlichen Land zu entfliehen.

Abwechslungsreiche Tauchplätze gibt es in der Umgebung von Gorontalo in großer Zahl. In der Walhai-Saison zwischen März/April und Juni/Juli hat man eine große Chance mit den größten Haien am Tauchplatz Botubarani zu tauchen.
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Walhai bei Gorontalo
Vor der Steilküste in größeren Tiefen findet man die Salvador Dali Schwämme, eine erst vor einigen Jahren entdeckte neue Art von Vasenschwämmen.
Vor dem Ausflugsort Olele kann man eine bizarre Unterwasserlandschaft besuchen und eine Unterwasserhöhle erforschen. Es gibt mehrere Plätze mit großen Makrelenschwärmen und immer wieder begegnet man bei Tauchgängen großen Hundszahn und Gelbflossen Thunfischen, die im Blauwasser vorbeiziehen.
Auch die Makro-Tauchplätze sind empfehlenswert und brauchen den Vergleich mit Lembeh nicht zu scheuen. Vor dem Dorf Tambo’o etwa, nur wenige Kilometer östlich von Gorontalo fanden wir so viele haarige Anglerfische wie nirgendwo sonst vorher. Hier kann man auch viele seltene Oktopuss-Arten (Kokosnuss-, Langarm- und Mimik-) finden und sogar der Ambon Skorpionfisch ist hier zu Hause.
Im Flachwasser gab es viele Seepferdchen zu sehen. Meistens hat man diese Tauchplätze in Gorontalo für sich alleine.

Von Gorontalo nach Bolsel

Richtig interessant wird es, wenn man Gorontalo nach Osten hin verlässt. Die Straße schlängelt sich an der Küste entlang und in jeder neuen Bucht, die sich eröffnet, schmiegen sich kleine Fischerdörfer an den meist kiesigen Strand. Zuerst sind die steilen Hänge noch kahl und trocken. Hier wächst nicht mehr viel und nur in der Regenzeit wird Mais angebaut.
Nach etwa einstündiger Fahrt ändert sich aber die Landschaft allmählich. Die Berge auf der landeinwärts gelegenen Seite der Straße sind stärker bewaldet und man sieht Nelkenplantagen auf den Hängen.
Später dann überwiegt der Dschungel. Ein deutliches Zeichen, dass wir uns dem Bogani Nani Wartabone Nationalpark nähern. Die Bäche, die nun von Norden ins Meer münden, führen kristallklares Wasser und laden zu einem erfrischenden Bad ein.

Bogani Homestay

Im Juli 2019 ist das Bogani Homestay gleich zweimal knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt.

Zwei Sturzfluten haben den kleinen Bach, der sich durch das Tal schlängelt, zu einem reißenden Fluss anschwellen lassen und Fischteiche und Schwimmbecken samt Wasserrad weggerissen. Glücklicherweise sind die meisten Gebäude unbeschädigt geblieben. Bilder und einen kurzen Videoclip von der ersten Flut findet man hier.

Die beiden Fluten und die Pandemie haben nun dazu geführt, dass das Bogani Homestay in ein islamisches Internat umgewandelt werden soll.

Wer nach der COVID-19 Pandemie wieder in diese Gegend reisen möchte, muss sich daher nach anderen Übernachtungsmöglichkeiten umsehen.

Mein Tipp: Zuerst Kontakt mit Budi Satria (Kontakt s.u.) aufnehmen. Er kümmert sich dann auch um die Unterbringung in Bolsel.
Während unseres Aufenthaltes in Bolsel im November 2019 wohnten wir im Bogani Homestay, das in einem ruhigen Seitental neben dem Sulawesi Highway in Bolsel liegt.
Leider gibt es diese Unterkunft jetzt nicht mehr, so dass man auf einfache Unterkünfte im Nachbarort Molibago ausweichen muss. Dort bietet beispielsweise der Bolsel Diving Club Zimmer in einem einfachen Hotel an.
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Abzweig zum Bogani Homestay

Natur pur in Bolsel

An Freizeitaktivitäten hat Bolsel auch einiges zu bieten. Natürlich lockt der Dschungel in den Bergen. In der Umgebung des Bogani Homestays gibt es beispielsweise mehrere Trails mit unterschiedlicher Länge und Schwierigkeitsgrad, die sogar markiert sind.
Wer ohnehin in der Gegend ist, sollte sich ein paar Tage Zeit nehmen, um mit einem Führer den Dschungel am Rande des Bogani Wartabone Nationalparks zu erforschen.

Den kurzen Trail of the Tarsius (s. Karte unten), kann man locker in einer knappen Stunde schaffen; für den etwas längeren Black Macaque Trail braucht man etwa 2 Stunden. Die Koboldmakis sahen wir zwar nicht, aber schwarze Makaken konnten wir in den Bäumen herumturnen sehen.
Weitere, längere Trails sind ebenfalls auf der Karte des Homestays beschrieben.
Bogani Homestay Trails
Bogani Homestay Blick aufs Meer
Bogani Homestay Ausblick während Wanderung
Bogani Homestay Black Macacque Trail
Bogani Homestay Wanderung m Dschungel

Tauchen in Bolsel

Wer in Bolsel tauchen möchte, muss vorab einige logistische Probleme lösen. Es gibt zwar in Molibago eine lokale Tauchbasis (dazu unten mehr), allerdings ist dort nicht immer zuverlässig Tauchen möglich.
Wer sicher sein will, dass es auch wirklich mit dem Tauchen klappt, sollte vorher mit einem zuverlässigen Tauchanbieter Kontakt aufnehmen, der dann alles Nötige organisiert. Dazu gehört der Transport von Tauchboot, Flaschen und gegebenenfalls Kompressor von Gorontalo nach Bolsel sowie der erforderlichen Begleitmannschaft aus Fahrer, Kapitän und Tauchguides.
Für zwei Taucher ist das natürlich ein erheblicher Aufwand und relativ teuer. Das beste Preis-Leistungsverhältnis würde man erzielen, wenn man gleich mit einer Gruppe von sechs Tauchern anreist. Dann verteilen sich die Kosten auf mehr Köpfe.
Muck-Tauchplatz auf dem Weg nach Bolsel
Tauchplatz in Bolsel mit Fischerbooten
Unser Tauchboot in Bolsel
Tägliches Beladen unseres Autos
Ausfahrt zum Tauchen in Bolsel
Hafen in Bolsel im Hintergrund die Berge
Oberflächenpause mit Tauchguides
Kurzer Snack am Straßenrand
Ankunft am Tauchplatz in Bolsel
Teepause nach dem Tauchgang
Zuschauerinnen hatten wir oft
Als Tauchanbieter für Bolsel möchte ich an erster Stelle Budi Satria aus Gorontalo empfehlen. Budi ist ein Freelance Tauchguide , der die Tauchtour nach Bolsel schon mehrmals mit Tauchern aus der indonesischen Taucherszene durchgeführt hat. Wenn er nicht taucht, organisiert er auch Mountainbike Touren in Sulawesi oder besteigt Berge im Himalaya.

Tatsächlich erwies sich die Wahl Budis als guter Griff. Ich habe in Indonesien selten eine so gut und effizient gemanagte Tauchtour erlebt wie mit Budi und seinem Team.

Tauchplätze in Bolsel

Die meisten Tauchplätze erreichten wir mit dem Tauchboot, das während unseres Aufenthaltes in einem kleinen Hafenbecken in der Nähe ankerte. Zu einigen, wenigen Tauchplätze fuhren wir auch direkt mit dem Auto und stiegen vom Ufer aus ins Wasser.
Unser Begleitfahrzeug mit einem Teil der Flaschen
Begleitfahrzeug mit Tauchgepäck
Tauchboot mit Guide und Kapitän
Bolsel: Unser Kapitän
Unsere Begleitmannschaft in Biolsel
Da sich bisher nur eine Handvoll Taucher nach Bolsel durchgeschlagen hat, gibt es hier immer noch viel zu entdecken. Während unseres Besuchs waren wir vorwiegend westlich vom Bogani Homestay unterwegs.
Es handelt sich dabei um Steilwände, aber auch um sanft abfallende Unterwasserhänge, die überwiegend einen gesunden Korallenbewuchs aufweisen.

Die Tomini Bucht fällt in Bolsel nur wenige Kilometer vor der Küste auf mehr als 2000 m ab. Kühles Tiefenwasser und Strömungen aus der Molukkensee sorgen dafür, dass es in dieser Region selten zu hohen Wassertemperaturen und der damit verbunden zur Korallenbleiche kommt. Während weiter südlich im flachen Wasser rund um die Togian Inseln fast alle Hartkorallen abgestorben sind, ist vor Bolsel von diesen Problemen wenig zu spüren. In Bolsel ist die Unterwasserwelt noch in Ordnung.

Während unserer Tauchgänge sahen wir häufig Gelbflossen – und Hundszahn-Thunfische, Schildkröten und hin und wieder sogar ein paar Schwarzspitzen- und Weißspitzen Riffhaie. An zwei Plätzen (Silver Tower und Barrakuda Point) drehten sich Makrelen – bzw. Barrakudaschwärme über dem Riff.

Für Makro-Liebhaber gibt es ebenfalls lohnende Motive wie den einen oder anderen Anglerfisch, Pygmäen Seepferdchen und verschiedene Nacktkiemenschnecken. Wer es gerne tief mag, findet wie schon in Gorontalo auch hier in Tiefen ab 30 m die großen Salvador Dali Schwämme.

Praktische Hinweise

Tauchanbieter Gorontalo

Miguel’s Diving (Alteingesessene Tauchbasis in Gorontalo)
Jl. Yos Sudarso No 218A
Gorontalo City, Gorontalo Province, Sulawesi, Indonesia
Website: http://miguelsdiving.com/
Fon: +62 852 4004 7027
Mail: info@miguelsdiving.com

Budi Satria (Freelance Tauchguide. Spezialisiert auf Bolsel Tauchsafaris)
Fon/WhatsApp: ‭+62 852 40304700‬
Mail: buds0801@gmail.com

Salvador Scuba Community (Tauchen in Gorontalo & Bolsel)
Website: https://scubagorontalo.com/
Fon/WhatsApp: +62 813 4011 1158
Mail: cecep.nawai@gmail.com

Tauchanbieter Bolsel

Bolsel Diving Club (Tauchbasis in Molibagu mit einfacher Unterkunft)
Reinhart Garang
Fon/WhatsApp: +62 813 40071113
Mail: minanga_marine@yahoo.com

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